struttin‘ …

… heisst stolzieren, weiß der leo. leonardo cipriani nimmt sich des jerry-reed-klassikers auf seine weise an. kopflos im bild, nur in schwarz-weiß flitzen die hände behände über die makellose martin und provozieren beim hörer ein ragtime-gestimmtes inneres hüpfen, dem man sich nur schwer entziehen kann. enjoy.

meine version ist eher von diesem herrn hier beeinflusst, denn ein echter picker werde ich wohl nie. aber egal, der sound darf ja nicht klappern, sondern muss „aaathhmen können“, nicht wahr. john knowles inklusive warm-up-histörchen:

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deutschland im vormerz

deutschland im vormerz, der schwarzfels-frieder ante portas, oder darf es doch vielleicht lieber das akk 47 sein, dieses saarländische sturmgewehr des fortschrotts, des foxtrotteltums ewig gleicher melodeien? es scheint sich jedenfalls schon im vorfeld ausgejenselt zu haben, immerhin. wozu auch einen hobbypharma-lobbybobby auf den schild hieven, wenn man mit einem ausgewachsenen oberen mitteltändler ständeln kann? der bürgerliche anstrich der demokratur wird den ewigen rat- und tatschluss weis(s)er alter männer fällen, vermutlich mit hilfe von frauen, die immer noch nicht gemerkt haben, dass sie selbst die hand des heftelns ergreifen könnten. doch wozu auch, die richtung bleibt in jedem falle marktkonform und damit welt-fremd. something new in germany? no, not really. we are still merkeling. doch bald wird ausgemerzt, weggespahnt, oder es macht uns eben doch die anne great. cdu. chaos durch unvernunft.

ein langes gedicht

größer könnten die gegensätze kaum sein, odenwald und istanbul, dresden und der orientalische imbiss, in den ich nach einer lesung mit dem gefeierten lyriker im stadtmuseum hineingeraten bin. ich saß als einziger in der ersten reihe, weil ich weiß, dass lyriker in der regel nicht beißen. doch meine orte sind andere, meine inneren bilder fanden in diesen fremden versen keine entsprechung. dazu der zerrissene duktus des lesenden, der mich geistig andauernd stolpern ließ. nun, bei der niederschrift dieser zeilen, versuche ich mich an seiner form des arbeitens (nicht der des komplizierten baues seiner zeilen, doch an der ungefilterten art der niederschrift, die er postuliert) – wie soll das zusammen eigentlich gehen? die frage, die ich nicht stellte, als gelegenheit dazu gewesen wäre, weil ich mit geschlossenen augen dem verklingenden rhythmus nachspürte. die transformation der literarischen fundstücke mitunter fragwürdig, eine tiefe, bei der ich mir den gehörknöchel verrenkte – doch die falafel des syrischen schnellrestaurants verlässlich und gut.

aufstehen und schreiben

die taz fragte vor kurzem autorinnen und autoren, wie sie es mit aufstehen.de und dem linken populismus halten. man hätte das ganze unkommentiert lassen und einmal mehr die perfidie der gleichsetzung von klaren ansagen zu sozialen und antibellizistischen positionen im linken lager mit dem schwammigen begriff des populismus ausblenden können, aber dazu erscheinen ein paar gedanken doch zu zentral, um sie so ganz unter den tisch fallen zu lassen. kunst und damit literatur ist vor allem ein reflexives moment in bezug zu gesellschaft. sie sollte sich nicht zur speerspitze gleich welcher partei oder bewegung auch immer machen, denn sie ist nach einer stark tradierten, wenn auch sicherlich eurozentristischen perspektive doch zutiefst ein ausdruck von individualität. politik muss sich aufs sammeln, aufs gleichmachen besinnen, kleinste gemeinsame nenner suchen und danach handeln. nur so ist demokratie umsetzbar. eine nach ähnlichen kriterien gestaltete literatur möchte ich nicht lesen müssen. literatur ist nicht demokratisch, sondern im prozess ihrer entstehung radikal monoperspektivisch. das gilt natürlich nicht für ihre rezeption. so sympathisch mir die bisherigen ideen von aufstehen.de auch sind, sehe ich keine veranlassung, mein eigenes schreiben in irgendeiner form daran zu orientieren.

kommentieren auf zeit online

aufstehen.de noch vor dem eigentlichen start der initiative am 4. september medial in die tonne zu treten scheint im deutschen sommerloch zum journaille-volkssport zu mutieren. einen entsprechend anmaßenden und durch nichts faktisch belegten hetzartikel der zeit-kolumnistin mely kiyak namens „doofköppe anne ecke“ mit einer augenzwinkernden paraphrase zu entlarven erwies sich im selbstversuch als nicht möglich, da die zeit-online-redaktion die replik umgehend mit dem hinweis „bitte verzichten sie auf unterstellungen“ löschte. was war passiert? ich hatte auf ein zitat geantwortet, das sich auf statements von zwei befragten, margot und andi, zu den zielen von aufbruch.de auf deren website bezog. o-ton kiyak: „gibt es margot und andi in echt, oder sind sie gecastet? und wer spricht hier eigentlich wirklich? das sind doch nicht margot und andi, sondern oskar und sahra. das weiß man doch.“ um die autorin auf ihren unterstellungsjargon hinzuweisen schrieb ich zurück: „gibt es mely kiyak in echt, oder ist sie gecastet? und wer spricht hier eigentlich wirklich? das ist doch nicht mely kiyak, sondern oligarchenpresse.de.“ obwohl ich sogar den letzten satz, das nun wirklich unsäglichst-unsachliche „das weiß man doch“ weggelassen hatte, war das offenbar zuviel. dabei weiß man es wirklich, die „zeit“ gehört der holtzbrinck-gruppe und damit zu der handvoll von marktbeherrschenden verlagen, die die veröffentlichte meinung in unserer marktkonformen demokratie repräsentieren. das verhalten der onlineredaktion kann man schlichtweg als zensur unter dem deckmantel der netiquette verstehen. lohnt das sich-einklinken in den diskurs unter diesen umständen noch? das muss jeder forist für sich selbst beantworten. aber es fördert im ernstfall den wenig hilfreichen rückzug in die eigene vielbeschworene filterblase.

sieh‘ zu, dass du passt!

regionale kulturförderung ist ein eigen ding, über das ich manchmal nachsinne. vor allem dann, wenn wieder mal eine förderausschreibung für ostwestfalen-lippe, wo ich seit einigen jahren ansässig bin, eintrudelt, auf der dann die motti zu kunstprojekten, für die es geld gibt, aufgelistet sind: wir sind jung, wir sind stadt und land, wir sind digital. mal sehen: ich bin mitte fünfzig, wohne in einer kleinstadt im dreieck hannover-bielefeld-osnabrück und funktioniere seit meiner geburt absolut analog. hat alter mit kunst zu tun? der wohnort? die art und weise der herstellung und übertragung? meine kunst ist (hauptsächlich) das wort. das will geschrieben sein, da schadet erfahrung nicht unbedingt. wir sind jung? wo ich wohne, ist nicht berlin, und das ist mir gerade recht, denn ich bin mehr r.i.p.ster als hipster und ehrlich genug mit mir, um nicht jeden tag schreibend das rad neu erfinden zu wollen. wir sind stadt und land? mir sind inhalte wichtig, nicht übertragungswege. dass neue formen der kommunikation manchmal auch neue, zusätzliche formen künstlerischer auseinandersetzung begünstigen ist eine erfahrungstatsache. aber diese wege zu den einzig förderwürdigen zu erklären ist zeitgeistgeklingel, ein verkennen von tradition und substanz. wir sind digital? die kulturregion ostwestfalen-lippe mag es mir verzeihen, wenn ich weiterhin ungefördert in ihr wirke. falls ich überhaupt irgendwie wirke.

das ende der lyrikwelt

am vergangenen samstag wollte ich mal wieder auf lyrikwelt.de vorbeischauen, um mir eine dosis poesie und ein paar neuigkeiten aus meinem liebsten nichtbusiness abzuholen. ich klickte ins leere. die lyrikwelt gab es offenbar nicht mehr. ich glaubte erst einmal an ein versehen. nun ist mir der initiator hans-werner gey aufgrund meiner jahrelangen eigenen tätigkeit für das portal namentlich bekannt. ich schrieb ihm und erfuhr, dass er sich wegen der neuerungen in der dsgvo seit 25.05.2018 dazu entschlossen habe, die seite vom netz zu nehmen. so weit sind wir also schon gekommen mit unserer angst vor verbrecherischen abmahnanwälten, mit unserem bemühen, die welt durch mehr rechte für den einzelnen an seinen eigenen daten besser zu machen, mit unserem kinderglauben, brüssel würde es schon irgendwie richten. eine institution stirbt (und sie ist ja nur eine von vielen), eine wichtige poesieaffine stimme in diesem land, mit ihr die sammlung all der vielen hundert buchrezensionen und informationen aus der literarischen welt, während das klatschkäsegesichtige kalifornische jüngelchen, dessentwegen der ganze unsinn an gesetzesauflagen stellvertretend verzapft worden ist, durch die parlamente diesseits und jenseits des atlantik tingelt und den freundlichen jungen von nebenan gibt. wer jetzt noch auf facebook ist, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.